„Tantra heißt ‚weben’ in dem Sinne, dass die vielfältigen und oft widersprüchlichen Aspekte des Ich zu einem harmonischen Ganzen verwoben werden. Tantra heißt auch ‚Ausdehnung’, mit der Bedeutung, dass wir uns ausdehnen und der Freude entgegen wachsen, wenn wir unsere eigenen Energien erst einmal verstehen und harmonisch vereinigen.“ Zitat Ende (aus: Margot Anand: „Tantra – oder Die Kunst der sexuellen Ekstase“).
In diesem Zitat ist für mich die wichtige Aussage enthalten, dass Tantra uns ermöglicht, uns selbst zu finden. Tantra kann Räume öffnen, in denen wir alle Anteile, die zu uns gehören, kennen, annehmen und auch lieben lernen können, wenn wir uns darauf einlassen wollen. Oft leben wir in unserer Rolle als Elternteil, Berufstätige/r, Kind, Partner/in, Freund/in usw. und oft sind wir auch in dieser Rolle und den Erwartungen der Gesellschaft gefangen und merken nicht, dass wir Teile in uns abspalten. Diese Teile wollen gelebt werden und wehren sich gegen die Verdrängung u. a. durch Symptome wie z.B. Schmerzen, Süchte, Depressionen, „innere Leere“ - Gefühle oder dem Gefühl, sich in seinem Leben wie der Hamster im Laufrad zu fühlen. Tantra ist eine Möglichkeit, sich wieder selbst ein bisschen mehr zu entdecken und Freude in das eigene Leben zu bringen.
Zitat: „Tantra lässt sich nicht wissen. Tantra ist ein Wegweiser mitten ins Leben – und das lässt sich ebenso wenig wissen wie das Sein. Es lässt sich lediglich leben, lieben und erfahren. Mit jedem Wissen lassen wir es erstarren oder gefrieren, und verpassen damit das Leben selbst, das sich in jedem Moment neu gebiert. Tantra ist ein Weg ins Sein. Tantra sprengt den Verstand, Tantra ist nur und ausschließlich über die eigenen Erfahrung zugänglich. (…) Über Tantra kann nichts gesagt werden. Wenn du es erleben willst, musst du es ausprobieren. Alles, was du darüber zu wissen glaubst, ist dir dann im Weg. Aber ohne dieses Wissen hättest du dich vielleicht nicht auf den Weg gemacht.“ Zitat Ende (aus: Saleem Matthias Riek: „Herzenslust – Lieben lernen und die tantrische Kunst des Seins“).
Es fällt schwer, Tantra zu definieren, zu erklären oder gar zu lehren. Gerade in Deutschland hat scheinbar jeder für sich seine Definition von Tantra gefunden. Und das finde ich gut so, denn jeder Mensch hat seine eigene Wahrheit und genau um diese geht es – die eigene Wahrheit entdecken und leben.
Tantra wurde etwa 5000 v.Chr. in Indien durch den Kult um den Hindu-Gott Shiva und seine Gefährtin, die Göttin Shakti, geboren. Aus tantrischer Sicht befindet sich in jedem Menschen ein göttlicher Anteil. Diese beiden göttlichen Anteile vereinen sich in der tantrischen Begegnung durch die Verschmelzung der beiden Energiefelder zu einem.
Eine Beschreibung, die mich persönlich besonders anspricht und die auch, wie ich finde, die Schwierigkeit einer Definition deutlich macht, ist folgende:
„Tantra ist eine Wissenschaft und eine praktische Lebensphilosophie. Tantra lehrt Liebe. Tantra lehrt Sex. Aber der Sex des Tantra ist Mittel und nicht Zweck, ist das Mittel zur größten körperlichen Lust, das Mittel, die ganze Fülle der lebenspendenden inneren Kräfte freizusetzen, und auch das Mittel, das Reich des Geistes zu betreten, von dessen Existenz nur wenige wissen.“ (aus: Saleem Matthias Riek: „Herzenslust – Lieben lernen und die tantrische Kunst des Seins“).
Tantra grenzt die sexuelle Energie nicht aus, so wie es in unserer Kultur in vielen Bereichen getan wird. Im Gegenteil, Tantra nimmt die sexuelle Energie an, da wir Menschen sexuelle Wesen sind, und lässt sie fließen. Aus der sexuellen Energie kann viel Lebensfreude entspringen, wenn wir lernen, Sexualität anders als in unserer Kultur üblich, zu leben. Tantra ermöglicht das Zusammensein mit einem Menschen von Herz zu Herz in einer Begegnung ohne Rollen, ohne Erwartungen und ohne Verpflichtungen. Tantra ermöglicht auch die Befriedigung unserer menschlichen Grundbedürfnisse nach Angenommenfühlen, Respekt, Wertschätzung, Nähe und Geborgenheit und Akzeptanz.
TANTRA
ist sein, wer und wie Du bist
Dich berühren lassen und berühren
Dich annehmen wie Du bist
Deine Ganzheit leben und anerkennen
Deinen Sex, Deine Liebe und Dein Bewußtsein miteinander verweben
die Hochzeit Deines inneren Mannes und Deiner inneren Frau
Dich mit der Existenz verbunden fühlen
Dich und andere nicht bewerten, sondern erleben
Sein
Tun aus der Stille des Seins
Nichts müssen oder sollen
geschehen lassen
mit allen Sinnen fühlen und spielen
Alles durch Dich hindurch lassen, nichts festhalten
Hingabe mit Selbst - Bewußtsein
nach Hause kommen
Dich mit anderen Menschen verbinden können
heilige und heilende Erotik
aus der Quelle trinken
nackt geborgen sein
still und ekstatisch
ein Tanz
ein Weg
eine Reise in Deine Mitte
ohne Anfang und ohne Ende
Du bist schon unterwegs!
(Saleem Matthias Riek)
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